Estland im Mittsommer - Flughörnchen, Bären und Orchideen
Erleben Sie bunte Wiesen, Moore und tiefe Wälder
Die Vielfalt der estnischen Fauna und Flora ist einzigartig. Das kleine baltische Land ist nicht nur eine Drehscheibe des europäischen Vogelzuges und Brutgebiet seltener und vom Aussterben bedrohter Vogelarten, sondern auch Heimat von Elch, Wolf, Luchs und Braunbär. Die Flora Estlands begeistert durch viele Orchideen, verschiedenartigste Waldformationen und der herben Schönheit der Vegetation in Mooren und an flachen Meeresbuchten.
Auf unserer Reise wollen wir viele Arten und Landschaften aus nächster Nähe kennenlernen. Wir durchstreifen taigaartige Wälder und orchideenreiche Wiesen an frei mäandrierenden Flüssen. Wir wandern über Regenmoore, durch Wacholderheiden und entdecken im Fischkutter unbewohnte Inseln in der Ostsee. Wir besuchen verfallene Herrenhäuser, wuchtige Bischofsburgen und Tallinns Altstadt. Zudem erfahren wir viel über Kultur, Geschichte und Leben im Baltikum. Einen besonderen Reiz bekommt diese Reise durch das Licht und die baltische Stille an den Abenden der Mittsommertage.
Info
Aufpreis bei 8 - 11 Teilnehmern: 100 € pro Person
Philosophie der Reise
Die Reisezeit ist so gewählt, dass wir den spektakulären Vogelzug (Seetaucher, Meeresenten, Gänse) auf dem baltischen Weg noch gut mitbekommen. Daneben stehen die im Jahresverlauf sehr unscheinbaren Arten (Rauhfußhühner, Spechte und Eulen) ebenso auf dem Programm, wie Vögel mit östlichem Verbreitungsschwerpunkt (Karmingimpel, Sperbergrasmücke, Schreiadler und Zitronenstelze). Die botanisch Interessierten kommen ebenfalls nicht zu kurz, denn Frühblüher wie Kuhschelle, Leberblümchen und Anemone, sind schon in verschwenderischer Pracht anzutreffen. Je nach Witterungsverlauf blühen die ersten Orchideen. Einen Einblick bekommen wir auch in die baltische Geschichte, die über Jahrhunderte auch eine deutsche war. Wuchtige Ritterburgen, traditionelle Holzhäuser und Kirchen unterschiedlicher Religionen liegen auf unserem Weg.
Hinweis zur FSME-Impfung
Für eine Reise nach Estland zwischen April und Oktober wird vom Auswärtigen Amt eine Schutzimpfung gegen die sogenannte Frühjahr-Sommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) empfohlen. Diese Art der Hirnhautentzündung kann in Risikogebieten, wozu ganz Estland gehört, durch Zeckenbiss übertragen werden. Wenn Sie also auf „Nummer Sicher“ gehen wollen, sollten Sie Ihren Hausarzt aufsuchen und nach einer FSME-Schutzimpfung fragen.
Reiseverlauf
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1.Tag: Tallinn und Westküste
Nach Ankunft in Tallinn fahren wir an die Westküste des kleinen Landes. Sicher werden wir unterwegs schon Trollblumen und den Frauenschuh finden oder uns an den vielen Feldlerchen und Kiebitzen erfreuen. Auch den Ortolan wollen wir sehen. Unsere Unterkunft in einem Gasthaus liegt in einer noch intakten Kulturlandschaft, unmittelbar am Matsalu-Nationalpark und in Sichtweite der Ostsee. Am Abend sind balzfliegende Waldschnepfen zu sehen und das "Wummern" der Bekassine zu hören. Noch bei Tageslicht lässt sich der Nahrungsflug der Waldohreule bewundern. Eine kleine Wanderung führt uns ans Meer, wo Wacholderheiden und Strandwiesen auf uns warten. Vielleicht entdecken wir einen Elch oder hören Goldschakale.
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2.Tag: Maritimer Tag auf Hiiumaa
Das kleine Estland besitzt mehr als zweitausend Inseln – einige gehören zu den größten im Ostseeraum, andere ragen nur als ein paar Steinhaufen aus dem flachen Wasser. Ein Großteil der Inseln ist unbewohnt und steht unter Naturschutz. Wir wollen zunächst mit einer großen Fähre nach Hiiumaa fahren. Die zweitgrößte Insel Estlands, etwas größer als Rügen, erreichen wir nach einer 90-minütigen Überfahrt mit der Fähre. Von Bord des langsam fahrenden Schiffes lassen sich Kegelrobben, Meeresenten und Seetaucher beobachten. Mit einem Fischkutter setzen wir unsere Fahrt durch flaches Wasser fort, um seltene Ringelrobben zu finden. Die zur weltweit südlichsten Population gehörenden Tiere, sonnen sich gerne auf im Meer liegenden Steinen und lassen sich gut beobachten. Später unternehmen wir einen Landgang auf der unbewohnten Insel Saarnaki. Hier lebten über Jahrhunderte Menschen, die sich fast autark von Ackerbau und Fischfang ernährten. Heute ist sie fast ganz mit Wacholder bewachsen. Die Natur erobert langsam aufgegebenes Kulturland zurück. Die Pflegemaßnahmen zum Schutz von Helmknabenkraut und Klappertopf können nur auf kleinen Flächen realisiert werden. Am Abend kehren wir zum Festland zurück.
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3.Tag: Marimetsa-Regenmoor
Der frühmorgendliche Besuch eines Regenmoores ist ein einmaliges Erlebnis. Nur vor Sonnenaufgang lässt sich dieser einzigartige Naturraum mit allen Sinnen erfassen. Besonders Arten wie Goldregenpfeifer, Regenbrachvogel und Uferschnepfe sind dann sehr aktiv und weithin mit ihren Balzgesängen zu hören. Mit Glück erleben wir noch die Balz der Birkhähne. Im Zentrum des vollkommen waldfreien und gut über einen Holzsteg zugänglichen Marimetsa-Moores, finden wir oligotrophe Pflanzengesellschaften mit sehr konkurrenzschwachen Arten. Darunter Zwergbirke, Sonnentau, Moltebeere, Sumpfläusekraut, verschiedene Moororchideen und viele Vertreter der Heidekrautgewächse (Rosmarienheide, Krähenbeere, Moosbeere). Sehr bemerkenswert sind die dunklen Taigawälder am Rande des Moores. Hier leben Dreizehenspecht, Zwergschnäpper und Haselhuhn. Am Abend suchen wir Ziegenmelker und Habichtskauz.
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4.Tag: Matsalu-Nationalpark
Den ganzen Tag verbringen wir in Landschaften nahe der Küste. Wir suchen nach Alpenstrandläufer, die in den steinreichen Buchten des Matsalu-Nationalparks brüten. Hier sind auch Brachvögel und Wiesenweihen zu erwarten. In den riesigen Schilfwäldern zeigen sich Elche auch am Tage. Die botanische Vielfalt des Landes lässt sich vor allem in Gehölzwiesen erfassen, die durch jahrhundertelange Nutzung entstanden sind. Auf kalkreichem Untergrund wachsen oft dutzende Blütenpflanzen pro Quadratmeter. Im Juni ist es der Hainwachtelweizen, der sofort durch seine Farbenpracht auffällt. Daneben sind es wieder Orchideen die uns interessieren, wie Stendelwurz, oder das sehr häufige Zweiblatt. Eine Besonderheit ist das endemische Bothmers-Knabenkraut nahe der Halbinsel Puhtu. So wie an den Tagen zuvor, werden wir auch an diesem Abend in den Wäldern nach Elchen und Eulen suchen.
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5.Tag: Bärenhütte in der Western-Taiga
Heute verlassen wir die Westküste und fahren in den Osten Estlands. Nach einem kurzen Stop im Mündungsdelta des Kasari, fahren wir zu einer Bärenbeobachtungshütte und übernachten hier. Etwa 700 Braunbären durchstreifen die endlosen Wälder und unwegsamen Moore Estlands. In den riesigen Wäldern der Western-Taiga, zwischen Peipussee und Lahemaa-Nationalpark, leben die meisten Bären. Hier steht uns eine komfortable Beobachtungshütte zur Verfügung. Zu sehen sind nicht nur die scheuen Bären, sondern auch Marderhunde und Elche. Nicht unwahrscheinlich ist die Beobachtung von Habichtskauz oder Schreiadler. Die Hütten sind einfach, aber komfortabel, sauber und gemütlich. Es gibt getrennte Kabinen mit Etagenbetten und eine Trockentoilette. Für Fotografen sind eigens Fotoluken eingebaut. Wir beziehen die Hütte schon am Nachmittag und bleiben die ganze Nacht.
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6.Tag: Alutaguse und Herrenhaus Sagadi
Wir verlassen die Hütte am Morgen und verbleiben noch einige Zeit in den Wäldern von Alutaguse. Am Vormittag erreichen wir unser nächstes Hotel unmittelbar am Herrenhaus Sagadi gelegen. Das ehemals durch den deutschen Adel bewohnte Gebäude ist heute ein Museum und wird auch als Forstschule genutzt. Im Park beobachten wir Schellente, Weißrückenspecht und Gelbspötter. Am Nachmittag fahren wir an die steinige, schon sehr nordisch wirkende Küste. Sie liegt im ältesten Schutzgebiet Estlands, dem Lahemaa- Nationalpark. Besonders beeindruckend sind die riesigen Findlinge, die während der letzten Eiszeit vor den Küsten abgelagert wurden. Natürlich nutzen wir den Abend für die Beobachtung. Immer wieder konnten wir in den letzten Jahren Luchse beobachten. Entlang der Forstwege können wir sie ebenso entdecken, wie Braunbär und Wolf. Noch bei Tageslicht jagen Habichtskäuze und immer wieder fliegen Waldschnepfen über uns hinweg.
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7.Tag: Urwälder im Lahemaa-Nationalpark
Am nächsten Morgen nehmen wir uns viel Zeit für den Urwald im Lahemaa-Nationalpark. Seit vielen Jahrzehnten entwickelt sich hier die Waldvegetation ohne direkten menschlichen Einfluss. Das Ergebnis sind sehr strukturierte Waldformationen und eine artenreiche Fauna und Flora. Wir bewegen uns entlang eines gut begehbaren Weges, von dem aus wir Dreizehenspecht, Zwergschnäpper und den Nordischen Kleiber entdecken können. Interessant ist auch die Vegetation mit blühender Sibirischer Iris, dem Moosglöckchen und verschiedenen Bärlapparten. Am Nachmittag sind wir wieder an der Küste unterwegs, wo sich viele Vogelarten mit Nachwuchs aufhalten. Darunter Mittel- und Gänsesäger, sowie Küsten- und Flussseeschwalben. Weiter draußen auf dem Meer, sind Prachttaucher und Trauerenten zu sehen. Etwas Zeit nehmen wir uns für die Kapitänshäuser in Vösu und Käsmu.
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8.Tag: Flughörnchen und Wachtelkönig
Noch einmal zieht es uns in die Wälder am Peipussee. Nahe am riesigen Murakamoor liegen alte Wälder in denen noch Flughörnchen leben. Sie benötigen um überleben zu können nicht nur alte Wälder, sondern vor allem Zitterpappeln. In Spechthöhlen bringen sie ihre Jungen zur Welt. Besonders im Juni ergeben sich gute Chancen für die Beobachtung der Flughörnchen, denn die Alttiere verlassen mehrmals am Tag die Höhle. Mitunter schauen Jungtiere aus der Höhle und beginnen selbst nach Nahrung zu suchen. Zurzeit laufen Forschungsarbeiten estnischer Experten, bei denen Flughörnchen mit Sendern ausgestattet wurden. So bekommen wir Gelegenheit, mehr über das Leben der heimlichen Tiere zu erfahren. Natürlich sind wir auch an diesem Abend unterwegs, um Eulen oder Ziegenmelker zu finden. Sehr wahrscheinlich hören wir den Wachtelkönig, der in Estland nicht selten ist.
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9.Tag: Tallinn und Heimreise
Am Vormittag fahren wir nach Tallinn und besuchen dort die Altstadt. Auf einer Führung bekommen wir die wohl intakteste mittelalterliche Stadt Europas präsentiert, mit einem ursprünglichen Straßensystem aus dem 13. Jahrhundert. Viele Häuser aus dem 15. Jahrhundert stehen noch in ihrer ursprünglichen Größe und Form. Alle wichtigen und repräsentativen Regierungsgebäude sowie Kirchen sind unversehrt. Am Nachmittag werden wir zum Flughafen gebracht und treten von hier aus die Heimreise an.